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Bleibt auf dem Laufenden mit News rund um Hessen Ideen,
das hessische und bundesweite Startup-Ökosystem.

Zehn Jahre Hessen Ideen: Interview mit Dr. Oliver Fromm & Prof. Dr. Thomas Walther

Dr. Oliver Fromm, Kanzler der Universität Kassel, und Prof. Dr. Thomas Walther, Vizepräsident der Technischen Universität Darmstadt, sprechen über die Bedeutung und die Zukunft von Hessen Ideen sowie über die Wichtigkeit der hochschulübergreifenden Zusammenarbeit in Hessen.

Die Uni Kassel ist seit 2016, also seit Beginn, Initiator von Hessen Ideen. In diesem Jahr wurde die zehnte Durchführung des Hessen Ideen Wettbewerbs gefeiert. Haben sich aus Ihrer Sicht die damaligen Vorstellungen, die mit der Einführung von Hessen Ideen verbunden waren, erfüllt? Wo steht Hessen Ideen heute? 

Dr. Oliver Fromm: Vor zehn Jahren zeichnete sich bereits ab, dass uns ein gewaltiger wirtschaftlicher Umbruch bevorstand, auch wenn das vielleicht in der öffentlichen Diskussion noch nicht so präsent war. Es ist gut, dass damals schon Strukturen für die Förderung von Innovationen und wirtschaftlicher Erneuerung aus den Hochschulen heraus aufgesetzt wurden – an der Universität, in der Stadt Kassel, in der Region und in ganz Hessen. Das Format Hessen Ideen mit dem Ziel, unternehmerisches Denken an hessischen Hochschulen systematisch zu fördern und aus Ideen konkrete Innovations- und Gründungsvorhaben entstehen zu lassen, passte sich da hervorragend in die regionalen Gründungs-Ökosysteme ein. 

Der Wettbewerb, das Stipendium, aber auch die begleitenden Vernetzungsangebote haben seitdem zu einer Gründungskulturbeigetragen, die heute an nahezu allen hessischen Hochschulen sichtbar ist. Besonders erfreulich ist, dass Hessen Ideen nicht nur technologische Innovationen fördert, sondern auch soziale, kulturelle und nachhaltige Gründungsideen– ganz im Sinne eines breiten Innovationsverständnisses. 

Heute steht Hessen Ideen für ein starkes, hochschulübergreifendes Netzwerk, für professionelle Förderstrukturen und für zahlreiche erfolgreiche Ausgründungen. Dass die Initiative landesweit Anerkennung gefunden hat und kontinuierlich weitergewachsen ist, bestätigt den damaligen Ansatz und ist dem Einsatz aller Beteiligten zu verdanken. 

Mit Hessen Ideen wird eine wichtige Lücke in der hessischen Förderlandschaft geschlossen – mit dem Hessen Ideen Stipendium werden innovative Ideen in einer sehr frühen Phase unterstützt. Warum ist gerade diese Frühphasenunterstützung aus der Hochschule heraus von großer Bedeutung für die Entstehung von Startups?

Prof. Dr. Thomas Walther: Innovative Ideen entstehen an Hochschulen häufig sehr früh – oftmals im Kontext von Forschung, Lehre oder interdisziplinären Projekten. In dieser Phase sind sie jedoch noch mit hohen Unsicherheiten, speziell in Fragen der Finanzierung, verbunden und lassen sich nur schwer in bestehende Förderlogiken einordnen. Genau hier setzt das Hessen Ideen Stipendium an und schließt eine entscheidende Lücke.

Die Frühphasenunterstützung aus der Hochschule heraus ermöglicht es den Teams, ihre Ideen systematisch weiterzuentwickeln, ohne bereits unter hohem wirtschaftlichem Druck zu stehen. Sie schafft Freiräume, um technologische Machbarkeit, Anwendungsfelder und Geschäftsmodelle zu prüfen und sogar erste Prototypen zu entwickeln. Gleichzeitig werden die Gründungsteams durch Qualifizierungsangebote und Coaching dabei unterstützt, unternehmerische Kompetenzen aufzubauen – ein ausschlaggebender Faktor für den späteren Erfolg.

Aus Sicht der Hochschulen ist diese frühe Förderung darüber hinaus auch deshalb besonders wertvoll, weil sie Gründungspotenziale sichtbar macht und Talente ermutigt, den Schritt in die unternehmerische Selbstständigkeit überhaupt in Erwägung zu ziehen. Hessen Ideen stärkt damit nachhaltig die Verknüpfung von Forschung, Innovation und Unternehmertum und trägt dazu bei, dass aus vielversprechenden Ideen tatsächlich erfolgreiche Startups entstehen können.

Hessen Ideen wird von der Universität Kassel und der TU Darmstadt koordiniert. Im Hochschulnetzwerk arbeiten alle hessischen Hochschulen aktiv zusammen. Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit der verschiedenen Hochschulen, warum ist sie so wichtig?

Prof. Dr. Thomas Walther: Die enge Zusammenarbeit der hessischen Hochschulen ist ein zentrales Erfolgsmerkmal von Hessen Ideen. Innovation entsteht heute zunehmend an Schnittstellen – zwischen Disziplinen, Hochschultypen und unterschiedlichen wissenschaftlichen Kulturen. Das hochschulübergreifende Netzwerk stärkt genau diese Verbindungen und ermöglicht es, Kompetenzen, Erfahrungen und Ressourcen wirkungsvoll zu bündeln.

Jede Hochschule bringt eigene fachliche Schwerpunkte, regionale Vernetzungen und Kooperationserfahrungen ein. Durch die Zusammenarbeit profitieren die Gründungsteams von einer deutlich größeren Vielfalt an Perspektiven und Unterstützungsangeboten, als dies an einem einzelnen Standort möglich wäre. Gleichzeitig fördert das Netzwerk den Austausch bewährter Praktiken in der Gründungsförderung und trägt so zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Angebote auf der operationalen Ebene bei.

Die gemeinsame Koordinierung durch die Universität Kassel und die TU Darmstadt steht dabei exemplarisch für den kooperativen Ansatz von Hessen Ideen: nicht Konkurrenz oder Wettbewerb, sondern Ergänzung und Zusammenarbeit sind das Ziel – zum Wohle des Landes und seiner Hochschulen. Dieses Miteinander stärkt die hessische Gründungslandschaft insgesamt und sorgt dafür, dass innovative Ideen unabhängig vom Hochschulstandort bestmögliche Unterstützung erhalten.

Das Land Hessen hat die Finanzierung von Hessen Ideen für weitere fünf Jahre zugesichert. Was erwarten Sie in den kommenden fünf Jahren von Hessen Ideen? Welche Entwicklungsrichtungen sehen Sie für Hessen Ideen? 

Dr. Oliver Fromm: Die Zusage des Landes Hessen für weitere fünf Jahre ist ein außerordentlich wichtiges Signal – gerade in einer Zeit, in der öffentliche Mittel knapper werden. Diese verlässliche Förderung schafft Planungssicherheit und unterstreicht die Bedeutung, die das Land der Gründungsförderung und dem Transfer von Ideen aus den Hochschulen in Wirtschaft und Gesellschaft beimisst. 

Für die kommenden Jahre erwarte ich, dass Hessen Ideen seinen Fokus auf seine bewährten Kernelemente legt: den landesweiten Wettbewerb, die finanzielle Unterstützung vielversprechender Gründungsvorhaben sowie die begleitende Qualifizierung und Vernetzung der Teams. Gerade diese Kombination aus finanzieller Förderung, Coaching und Sichtbarkeit bewährt sich seit zehn Jahren. 

Insbesondere die finanzielle Förderung ist für viele Gründungsteams ein entscheidender Hebel, um Ideen überhaupt weiterverfolgen und zur Marktreife entwickeln zu können. In einem Umfeld begrenzter Ressourcen stärkt Hessen Ideen damit nicht nur einzelne Projekte, sondern sendet ein klares Signal: Unternehmertum aus den Hochschulen heraus ist gewollt, wird unterstützt und als wichtiger Bestandteil einer zukunftsfähigen Wirtschaft verstanden. 

Insgesamt wünsche ich mir, dass Hessen Ideen auch in den kommenden fünf Jahren ein Experimentierraum bleibt: offen für neue Ideen, mutig in der Umsetzung und fest verankert im hessischen Hochschulsystem.

 

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